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  • Top Kinostarts der Woche (23. Mai 2013) - Mit Bleifuß in den Kinosaal

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    Unser Kinotipp der Woche: Justin Lins neuster Beitrag zur "Fast & Furious"-Reihe. "Fast & Furious 6" ist bestes Over-the-Top-Actionkino, das Fans wie auch Neueinsteiger gleichermaßen gut unterhalten dürfte.

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    "Jeder hat einen Plan"

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    "Der Dieb der Worte"

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    "Mutter und Sohn"

    "Freier Fall"

    "5 Jahre Leben"

    "11 Freundinnen"

  • "Jeder hat einen Plan" (AR, GER, ES 2013) Kritik - Viggo Mortensen²

    Autor: Stefan Geisler

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    "Seit wann trägst du denn nen Bart?"

    Wer hat sich nicht schon einmal gewünscht, einfach sein bisheriges Leben an den Nagel zu hängen und in die Identität eines anderen Menschen zu schlüpfen. Die eigenen Problemen und Sorgen hinter sich lassen und noch einmal bei Null beginnen. Allzu oft vergisst man bei solchen Gedankenspielereien jedoch, dass sprichwörtlich jeder sein Kreuz zu tragen hat und auch ein Rollentausch nicht zwingend eine Besserung der gegebenen Lebensumstände bewirken muss. Mit einem solchen Identitätstausch-Thriller gibt nun die argentinische Regisseurin Ana Piterbarg ihr Leinwanddebüt. Auch wenn sich „Jeder hat einen Plan“ der Beschreibung nach auch als abgefahrener Science-Fiction-Film lesen lassen könnte, handelt es sich hier eigentlich um einen äußerst bodenständigen Thriller, angesiedelt irgendwo im südamerikanischen Hinterland. Hier macht Gelegenheit Identitäts-Diebe und Waldläufer Viggo Mortensen glänzt in einer Doppelrolle. Dennoch kommt Ana Piterbargs Debütfilm trotz Mortensen im Doppelpack und interessanter Prämisse nicht über das Mittelmaß hinaus.

    Der in Buenos Aires angestellte Kinderarzt Augustin (Viggo Mortensen) steckt mitten in der Midlife-Crisis. Irgendwie wird ihm alles zu viel und als seine Freundin Claudia (Soledad Villamil) auch noch ein Kind adoptieren will, brennen bei Augustin die Sicherungen durch und er schließt sich über Tage in sein abgedunkeltes Zimmer ein. Erst als sein Bruder Pedro (ebenfalls Viggo Mortensen), ein eher einfach gestrickter Imker aus dem Tigre-Delta mit Vorlieben für zwielichtige Geschäfte, vor seiner Tür steht und ihm beichtet, dass er bald sterben wird, erwachen die Lebensgeister in Augustin erneut. Als Pedro ihn auch noch bittet, ihn im Stillen ein Ende zu bereiten, nutzt der Kinderarzt diese einmalige Gelegenheit seinem bisherigen Leben zu entkommen und schlüpft in das Leben seines Zwillingsbruders. Doch auch Augustins neues Leben bringt ungeahnte Probleme mit sich...

    Nicht nur Kinderarzt Augustin nutzt in „Jeder hat einen Plan“ die Gunst der Stunde, um seiner eigenen Vergangenheit zu entfliehen, auch für Regisseurin Ana Piterbarg stellt der Film in gewisser Weise ein Neubeginn dar. Schließlich wagt sich die junge Filmemacherin, die bisher nur für südamerikanische Nachmittags-Telenovelas verantwortlich zeichnete, mit ihrer ersten Kinoproduktion auf das internationale Filmparkett. Unterstützt wird sie dabei von „Herr der Ringe“-Star Viggo Mortensen, der so begeistert vom Skript war, dass er sich nicht nur als Schauspieler für die Doppelrolle des ungleichen Brüderpaars zur Verfügung stellte, sondern auch noch als Produzent den Film mitfinanzierte. Auch die Sprachbarriere stellte für Mortensen keine Hürde dar, schließlich lebte der gebürtige Amerikaner in seiner Kindheit sogar einige Jahre in Argentinien.

    Leider schafft es Regisseurin Ana Piterbarg nicht, aus der durchaus interessanten Ausgangssituation mehr zu machen als einen unaufgeregt erzählten Durchschnittsthriller. Gerade die spannende Idee des Rollentauschs der beiden Zwillingsbrüder verkommt während des Films mehr und mehr zur Randnotiz. Dem bessergestellten Kinderarzt aus Buenos Aires fällt es erstaunlich leicht, sein Umfeld zu täuschen und den schon seit Jahren aus den Augen verlorenen Bruder zu imitieren. Außer einem gelegentlichen „Du benimmst dich in letzter Zeit so komisch, alles in Ordnung mit dir?“ hat der Identitätswechsel auch keine weiteren Auswirkungen auf Film und Charakter und sogar ein letztes Zusammentreffen mit einer engen Vertrauten aus dem alten Leben oder die finale Enttarnung bleibt letztlich folgenlos für den weiteren Verlauf des Films. Dies mag auch daran liegen, dass Regisseurin und Drehbuchautoruin Piterbarg ihren Protagonisten nicht nur in ein neues Leben entführt, sondern ihn auch gleich noch in einen Kriminalfall verwickelt und demzufolge den Fokus eher auf die Thriller-Elemente des Films legt. Dennoch wäre eine erkennbare Charakterentwicklung, gerade auf Grund der extremen Umstände des neuen Lebens, wünschenswert gewesen.

    Fazit: Ana Piterbargs Debütfilm „Jeder hat einen Plan“ macht einiges richtig, aber lässt auch viele Möglichkeiten ungenutzt. Während sie auf der einen Seite durch großartige Aufnahmen des Fluss-Deltas eine ganz eigene, angenehm unaufgeregte und fast verträumte Thriller-Stimmung erzeugt, verpufft der anfängliche Aufhänger des Identitätswechsels während des Films nach und nach. Letztendlich ist „Jeder hat einen Plan“ dann doch nicht mehr als ein Durchschnittsthriller mit interessantem Setting und einem Viggo Mortensen².

  • Finaler OV-Trailer zu Zack Snyders Superman-Verfilmung "Man of Steel"

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    Wie uns der Trailer gefällt: Waren die ersten Trailer noch erstaunlich ruhig, gibt uns der finale Trailer schon mal einen kleinen Vorgeschmack darauf, was einem im Finale von "Man of Steel" erwartet. Dass Zack Snyder Comic-Action inszenieren kann, weiß man ja bereits seit "300" und auch "Man of Steel" macht bereits jetzt Lust auf mehr. Wir freuen uns drauf :)

    "Man of Steel" startet am 20. Juni 2013 in den deutschen Kinos.

  • "Seelen" (USA 2013) Kritik - Ein Liebesdreieck im Quadrat

    Autor: Jan Görner

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    "If our memories are still alive…are we?"

    Die Erde in einer nicht allzu fernen Zukunft: Nachdem außerirdische Parasiten, die so genannten 'Seelen', begonnen haben, sich in Menschen einzunisten, ist nichts mehr, wie es war. Nur wenige Überlebende haben in abgeschiedenen Regionen ihres einstigen Heimatplaneten überlebt und befinden sich auf der ständigen Flucht vor den Häschern des neuen Systems. Melanie (Saoirse Ronan) ist eine dieser Überlebenden. Als sie bei einem Beutezug mit ihrem Bruder Jamie (Chandler Canterbury) droht, den Aliens in die Hände zu fallen, misslingt die Flucht und sie stürzt mehrere Stockwerke in die Tiefe. Doch Melanie überlebt. Angetrieben von dem Willen ihren Geliebten Jared (Max Irons) noch einmal wiederzusehen, übersteht auch ihr Bewusstsein die Verschmelzung mit dem Wanderer genannten Parasiten. Allmählich gelangen die Zwei zu einer Verständigung. Doch als ihnen schließlich die Flucht gelingt, heftet sich eine Sucherin (Diane Kruger) an ihre Fersen, um den gesamten menschlichen Widerstand auszuheben.

    Von High-Concept-Science-Fiction reden wir, wenn sich ein Konzept in wenigen Worten beschreiben lässt. In diese Kategorie gehört auch "Seelen": Wie wäre es, wenn ein außerirdischer Symbiont den Geist einer Jugendlichen übernimmt, die dagegen ankämpft?. In dieser Hinsicht lässt sich auch die Wahl von Andrew Niccol deuten, der als Regisseur von "Gattaca" und zuletzt dem etwas bemühten "In Time" sowie Drehbuchautor von "Die Truman Show" sicherlich als Könner in diesem Bereich gelten darf. "Seelen" ist trotzdem handwerklich der ein oder andere Schnitzer vorzuwerfen, gerade das behäbige Erzähltempo tut der Geschichte nicht gut. Dennoch, das Problem liegt leider ganz eindeutig beim Drehbuch.

    Im Vorfeld der Bucherscheinung wurde "Seelen" allen Ernstes als "Science Fiction für Leute, die keine Science Fiction mögen" beworben. Wer damit in Wirklichkeit gemeint war, dürfte klar sein: Frauen. Dass man sich mit einer derart eingeschränkten Sicht eigentlich nur in die Nesseln setzen kann, sollte jedem klar sein, zu dem sich inzwischen rumgesprochen hat, dass eine fesselnde Story und interessante Charaktere keine (konstruierten) Geschlechtergrenzen kennen. Einem Erfolg an den Kinokassen stand dies jedoch ebenso wenig im Wege wie einem Platz auf den Bestsellerlisten. Die Marschrichtung war klar: Was Meyer für das Vampir-Genre getan hat, überträgt sie mit "Seelen" auf die Science Fiction.

    Und so überrascht es nicht, dass im Zentrum der Erzählung die emotionale Zerrissenheit einer jungen Frau steht. Während Melanie sich nichts sehnlicher wünscht als wieder mit ihrem Freund Jared zusammen zu kommen, entwickelt der Wanderer (oder Wanda, wie er später genannt wird) Gefühle für Ian (Jake Abel), den Bruder des Mannes (Boyd Holbrook), der den Hybriden auf recht rabiate Weise kaltmachen wollte. Dieses Liebesdreieck im Quadrat füllt praktisch den gesamten zweiten Akt der Geschichte und wird auf dermaßen hanebüchene Weise geklärt, dass sich der Zuschauer nicht als Erwachsener ernstgenommen fühlen kann. Es sollte nicht explizit erwähnt werden müssen, aber Drama entsteht nun einmal durch Konflikt. Dass sich die Geschichte diesen zu einem Gutteil schon aufgrund der Prämisse von den friedliebenden Aliens selbst versagt, kann eine bestenfalls zweitklassige Autorin wie Meyer nicht als Herausforderung begreifen. Stattdessen demontiert sich die von ihr erschaffene Welt von Minute eins an selbst. Übrig bleibt müder Kitsch. Die inhärenten Tugenden, welche das Drehbuch der menschlichen Rasse unterstellt, geraten darüber hinaus völlig aus dem Fokus. Wie soll der Wanderer den Wert menschlichen Lebens entdecken, wenn jegliches moralisches Dilemma entweder umgangen oder im Verlauf der Geschichte ignoriert wird?

    Politisch lässt sich die bekennende Mormonin Meyer indes nicht in die Karten sehen. Eine Welt ohne Lügen, Ladendiebstahl oder Geschwindigkeitsüberschreitungen, so sieht die Dystopie von "Seelen" aus. Ist die Herrschaft der wohlmeinenden Tyrannen ein Hieb gegen das linksliberale Obama-Klientel, welches in den Augen vieler Konservativer das historisch höchste Gut der amerikanischen Gesellschaft, die Freiheit, verspielt? Eine Diktatur der Gutmenschen, die in Hybridautos umherfahren, im Brustton der Überzeugung vom Wohle der Mehrheit schwärmen und den Planeten schützen wollen, dafür aber den Menschen ihre gottgegebene Freiheit nehmen auch mal die eigenen Artgenossen zu dezimieren. Sie sitzen in sterilen Büros, starren auf Computerbildschirme und sind so entfremdet wie es nur geht von der eigentlichen Wertschöpfung. Gleichzeitig wird Melanies wertbewusste, mit einer Schrotflinte bewaffnete Onkel (William Hurt) als ehrlicher Arbeiter glorifiziert, der seine Schützlinge lehrt, dass Demokratie da nicht hingehört, wo sie zu Diskussionen führen kann. Dafür kann er sie – Kraft der Scholle! – ernähren und beschützen. Ist die junge Frau, die sich unversehens ihren Körper mit einem anderen Lebewesen teilen muss, Teil einer Pro-Life-Botschaft? All dies lässt sich aufgrund der Geschichte konstruieren. Ob aber überhaupt eine gesamtgesellschaftliche Lesart zu irgendeinem Zeitpunkt angedacht war, darf wohl bezweifelt werden.

    Tatsächlich nämlich nimmt dieser Themenkomplex auch im Subtext von "Seelen" nur einen der hinteren Ränge ein. Vorrangig geht es um ein junges Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenwerden, das sich fremd im eigenen Körper vorkommt. Dies entspricht auch dem Publikum, das sich Meyer mit ihrer "Twilight"-Saga erschlossen hat. Auch wenn diese nur eine mehrbändige Abhandlung darüber sein sollte, warum man auf keinen Fall Sex vor der Ehe haben sollte. Und so geht es auch in "Seelen" reichlich züchtig zu. Da wird geschmachtet, dann und wann ein flüchtiger Blick ausgetauscht und wenn die Gefühle überschwappen, sogar mal geküsst. Dass die männliche Darstellerriege aus einer Phalanx junger blonder Schönlinge besteht, macht die Austauschbarkeit des Nebenpersonals dabei nur noch offensichtlicher. Denn wessen Bruder jetzt wen umbringen will oder wer da wem seine wahren Gefühle verschweigt, das hat zumindest diesen Zuschauer einen Gutteil der Handlung über verwirrt.

    Fazit: "Seelen" ist zahnloses Zielgruppen-Kino, das es nicht wagt sein Publikum mit moralischen Fragen zu fordern. Trotz eines durchaus kompetenten Regisseurs wird der Science Fiction auf diese Weise sicherlich kein neuer Fan-Kreis erschlossen.

  • "The Devil's Double" (BE 2011) Kritik - Der doppelte Despotensohn

    Autor: Sebastian Groß

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    "Please be clear about this, Latif. Uday has chosen you. You belong to him."

    1987: Der irakische Soldat Latif Yahia wird von Saddam Husseins ältestem Sohn Uday, wegen einer enormen Ähnlichkeit, auserwählt sein Doppelgänger zu sein. Latif bleibt keine andere Wahl, wenn er ablehnt lässt Uday Latifs Familie verhaften und foltern. Nach ein paar chirurgischen Eingriffen ist Latif die optisch perfekte Kopie des Despoten-Sohnes und wird in einer luxuriösen Behausung untergebracht. Doch er wird wegen seiner Nähe zu Uday auch immer wieder Zeuge von dessen eruptiven Exzessen. Schon bald muss sich Latif eingestehen, dass er für einen Wahnsinnigen arbeitet, der weder Anstand noch Moral kennt.

    Doppelgänger von bekannten Persönlichkeiten soll es ja wirklich geben. Warum auch nicht? Keine Lust über den roten Teppich zu stolzieren? Na dann einfach den Quasi-Zwilling hinschicken. Zugegeben, im Zeitalter des World Wide Web scheint dieses Vorgehen so antiquiert wie fiktional zu sein - und wenig erfolgsversprechend noch dazu. Doch in den späten 1980er, im Irak und dann auch noch in der Manege der Politik und Macht? Ja, das könnte funktionieren. Hat es ja auch. Zumindest wenn man dem Iraker Latif Yahia Glaube schenken mag, der lange Zeit als Doppelgänger von Saddams Husseins Sohn Uday gearbeitet hatte. So steht es zumindest in seinem Buch, dessen Wahrheitsgehalt aber mehrfach angezweifelt wurde. Das ist durchaus berechtigt. Die ganze Geschichte klingt schon recht abnorm und beinhaltet einen nicht zu verschleiernden Charakter der Übertreibung. Wie wahr die Geschichte von Latif Yahia ist, ist aber im Falle von „The Devil’s Double“, der auf dem gleichnamigen Buch von Yahia basiert, eher uninteressant, solange der Film seine Aufgabe erfüllt und sein Publikum unterhält und fesselt.

    Der Neuseeländer Lee Tamahori, der einst als hoffnungsvoller Blockbuster-Regisseur galt und seinen Ruf mit Filmen wie „James Bond 007 - Stirb an einem anderen Tag“, „Next“ oder „xXx 2 – The Next Level“ rabiat selbst zertrampelte, führte hier nach langer Pause wieder Regie. Grund für die Pause war neben Flops an der Kinokasse wohl auch eine von Tamahori begangene Gesetzeswidrigkeit. Er wurde 2006 in Los Angeles verhaftet, als er einem Stricher Geld für sexuelle Dienste anbot. Der Stricher entpuppte sich als Undercover-Cop, der Tamahori, der zu diesem Zeitpunkt als Drag Queen verkleidet war, festnahm. Klar, dass so etwas in Hollywood die Runde macht und so ist es auch kaum verwunderlich, dass „The Devil’s Double“ keine amerikanische Produktion ist, sondern mit Geld aus Belgien und den Niederlanden finanziert wurde. Ob ein höheres Budget dem Film geholfen hätte bleibt aber mehr als fraglich. Denn letztlich scheitert die (un)wahre Geschichte am Script und auch an der zimperlichen Inszenierung von Tamahori.

    Im Zentrum von „The Devil’s Double“ steht, na klar, das Original und sein Doppelgänger. Also Uday Hussein und Latif Yahia. Gespielt werden beide Rollen von Dominic Cooper (bekannt aus „Mamma Mia“, „Captain America“ und „Abraham Lincoln: Vampirjäger“). Das Problem bei Coopers Spiel ist, dass er weder den krankhaft narzisstischen Uday, noch den zweifelnden Latif stimmungsvoll verkörpert. Beiden Rollen fehlt es an Zwischentönen. Zwar wird Udays Leben und sein Verhältnis zu seinem mächtigen Vater immer wieder angerissen und es werden auch ein paar dramaturgische Spitzen in den Film eingefügt, doch alles passiert darstellerisch, wie auch inszenatorisch, einzig und alleine mit dem Dampfhammer. Uday und Latif, wirken beide wie Exzesse, die sich in gegenüberliegende Richtungen entwickeln.

    Eine Entwicklung die ohne außergewöhnliche Facetten auskommen muss. Das ermüdet und streckt „The Devil’s Double“ auf unschöne Weise. Auch die Geschichte an sich ist mehr anstrengend als aufregend, denn worauf es im Finale hinausläuft ist klar und die politische Dimension, die der Stoff inne hat, wird nicht konsequent genutzt. Krieg ist böse! Das reicht Tamahori als Aussage. Das ist ja durchaus richtig und wahr, wirkt aber – ähnlich wie die gesamte Doppelgänger-Story – doch recht bemüht. Tamahori zeigt in „The Devil’s Double“ zwar die Wunden des Krieges, aber dies verkommt zum Abgrasen üblicher Standards. Vielleicht hätte er noch mit dem Finger etwas darin herum bohren sollen, um eine wuchtigere Wirkung zu erreichen. So verkommt der Aspekt des Krieges hier zu einer mutlosen Fassade, um den Plot weiter zu bringen.

    Ohne richtigen Druck, verwirkt „The Devil’s Double“ leider auch das Spiel mit den gesellschaftlichen Unterschiedlichkeiten des Iraks. Wenn Latif als Uday in seiner Villa hockt, sich der lasziven Sarrab (Ludivine Sagnier, „8 Frauen“, „Public Enemy No. 1“) hingibt, die vom Script auch noch eine steife Entwicklung spendiert bekommt, dann erzeugt dies oftmals mehr den Eindruck einer phantasielosen Seifenoper. Wenn dann die Armut der irakischen Bevölkerung gezeigt wird, wirkt dies nicht wie ein Aufzeigen der gesellschaftlichen Differenzen, sondern mehr wie ein lästige Pflichtübung, die doch bitte die Second Unit übernehmen soll. Da ist es durchaus Schade, dass auch das komödiantische Potenzial der Geschichte ungenutzt brach liegt. Wenn Saddam Hussein mit seinem Doppelgänger Tennis spielt, dann funkelt kurz etwas Komik auf und dann wird auch kurz der ganze Wahnwitz der Geschichte spürbar, doch dies ist eine von wenigen Ausnahmen. „The Devil’s Double“ will einfach ernst sein und verpasst deswegen die große Chance den Wahnsinn einer Diktatur rigoros mit der Macht des Humors offen zu legen.

    Fazit: „The Devil’s Double“ wird Regisseur Lee Tamahori nicht wieder auf die Erfolgspur bringen. Dafür ist seine Herangehensweise an den Stoff zu uncouragiert und kraftlos. Die Geschichte von Latif Yahia ist durchaus ansprechend, besitzt Potenzial und hätte gewiss eine bessere Verfilmung verdient. So aber bleibt das ansprechendste an „The Devil’s Double“ darüber zu philosophieren, wie viel Wahrheit in der Doppelgänger-Handlung steckt, die hier zumindest so erzählt und inszeniert wurde, dass sie wie eine müde Lügengeschichte daher kommt. Ein wenig so, als ob Baron Münchhausen 1987 im Irak war.

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