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  • "Open Windows" (ES/FR/US 2014) Kritik – Wie viel Menschlichkeit bleibt im digitalen Zeitalter?

    Autor: Pascal Reis

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    „Ich will Ihnen nur helfen, es ihr heimzuzahlen.“

    Der Begriff 'Fleischbeschau' sollte Sasha Grey nicht allzu fremd sein. Als Pornodarstellerin hat sie sich einen Ruf damit aufgebauten, immerzu bis an die Grenzen zu gehen und in einer Szene auch mal einen Verschleiß von über einem Dutzend Männern aufzuweisen. Sasha Grey hat diese freizügige und gesellschaftlich immer noch mit Verachtung gestraften Form der Selbstverwirklichung aus eigenen Stücken gewählt, wollte sie doch zum Aushängeschild moderner Pornographie heranwachsen und den Zuschauer zur Kreativität animieren, anstatt ihn einfach nur blindlings konsumieren zu lassen. Die Tage, in denen Ganzkörperbesamungen auf dem Agenda von Frau Grey standen, sind inzwischen jedoch passe. Unter der Regie von Steven Soderbergh hat die bürgerlich als Marina Ann Hantzis bekannte Sasha Grey in „Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls“ schon unter Beweis gestellt, dass sie auch im seriösen Schauspielgefilde durchaus in der Lage scheint, Fuß zu fassen und Vorurteile Lügen gestraft. Eine Ausnahme?

    Nun, Aufschluss über diese Frage wird uns auch „Open Windows“ nicht geben, auch wenn Sasha Grey in diesem als dramaturgisches Gravitationszentrum auftritt, allerdings die meiste Zeit doch die zweite Geige spielt. Interessant ist es da vielmehr zu beobachten, gleiches galt schon für „Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls“, wie es dem Film in treffender Fasson gelingt, das Leben der Sasha Grey als mediale Persönlichkeit auf der Meta-Ebene zu reflektieren, in dem er sie als von der Männerwelt belagerte Genre-Schauspielerin Jill agieren lässt. Nacho Vigalondo, Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion, ist sich seiner Besetzung also vollkommen im Klaren und nutzt ihre Vergangenheit, um „Open Windows“ nicht nur als stilistisch originellen Thriller aufzuziehen, sondern auch, um ihm im Kontext der verschwimmenden Menschlichkeit im digitalen Zeitalter des weiteren vielschichtige Facetten zu injizieren. Ein formalistisches Direct-to-DVD-Vehikel bleibt sein „Open Windows“ letzten Endes dennoch.

    „Open Windows“ ist aufgrund seiner Aufmachung allerdings ein interessantes Experiment, spielt sich das Geschehen doch beinahe unentwegt auf dem Laptopbildschirm von Nick (Elijah Wood) ab, der sich als inbrünstiger Fanblogger von Jill zu verstehen gibt und eigentlich dem gewonnenen Meet & Greet entgegenfieberte. Die Pläne fallen abrupt ins Wasser, als ein Fremder plötzlich Kontakt mit ihm aufnimmt und erklärt, dass Jill das heutige Treffen abgesagt hat. Dabei modelliert „Open Windows“ eine optische Zergliederung durch die verschiedenen Fenster und Tabs innerhalb des Bildschirmes, auf dem Nick durchweg seine Augen gerichtet hat, die dem Zuschauer in hektischen Schwenks und kruden Schnitten die nötige Übersicht verleihen: Ein echter Desktop-Thriller und dazu auch noch in Echtzeit dargeboten. Sein gimmickhafter Stil aber nutzt sich schnell ab, hat man sich erst einmal mit der Visualisierung akklimatisiert und „Open Windows“ scheitert an einem uralten Manko: Der durchgehenden Spannungskurve. Spätestens nach gut einer Stunde Laufzeit verheddert sich die Narration in Überzeichnungen, um einen hanebüchenen Finale sondergleichen in die Hände zu fallen.

    Dabei steckt hier in Ansätzen (dann und wann auch mehr) ein Film, der die kontemporäre (Über-)Technifizierung unserer Gesellschaft hinter dem Konglomerat aus rechteckigen Tableaus kritisch beäugt. Wie viel Platz für Menschlichkeit und Moral kann in einer Welt bestehen, die sich schon lange nicht mehr direkt in die Augen gesehen hat, sondern einzig über Pop-ups kommuniziert? In der jeder ein anonymer Fake sein kann, anstatt zu seinem wahren Ich zu stehen? „Open Windows“ ist nicht umsonst ein Genre-Film, der obsessives Verhalten, den Verlust jedes ethischen Maßstabs, digitalen Voyeurismus, Manipulation und die Missachtung jedweder Privatsphäre thematisiert. Hinten raus ersäuft er in seiner Over-the-Top-Attitüde, ist schlichtweg nicht mehr ernst zu nehmen, setzt Twists vor Cleverness, vor allem aber inszenatorische bleibt er doch empfehlenswert und rückt die räumliche Begrenzung in einen virtuelle Dimension, in der wir alle binnen weniger Mausklicks zu Gefangenen werden können.

  • "Let's be Cops – Die Party Bullen" (USA 2014) Kritik – Sheriffs mit Plastikmarken

    Autor: Pascal Reis

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    „I feel like Danny Glover before he got too old for this shit.“

    Seitdem Jonah Hill und Channing Tatum in den quickfidelen Meta-Komödien „21 & 22 Jump Street“ die Leinwände als tapsig-liebenswertes Cop-Duo unsicher gemacht haben, ziehen sie sich wieder wie ein trendiger Rattenschwanz durch die Kinolandschaft: Unbedarft-nonchalante Buddy-Movies. Dass allerdings nicht jedes von diesen (Sub-)Genre-Vehikeln in der gleichen Liga wie etwa Phil Lords Überraschungserfolg von 2012 spielen kann und wird, hat zuletzt schon Tim Story mit seinem derben Fehlschlag „Ride Along“ bewiesen, in dem sich Nervsack Kevin Hart und Grummelbacke Ice Cube zum Affen machen ließen. Die Bankkonten der Beiden hat dieser schäbige Schandfleck von Film nicht gestört, ebenso wenig waren finanzielle Verluste zu verzeichnen – Die Fortsetzung ist unlängst bestätigt. Neben „Ride Along“ darf sich „21 Jump Street“ nun noch über einen weiteren, ungemein hässlichen Nachzügler ärgern: „Let's be Cops – Die Party Bullen“ - schon bei dem Titel schwant einem Übles – geht an den Start.

    Und wie es Gang und Gäbe in diesen Gefilden ist, müssen unsere Protagonisten reinrassige Loser sein, die sich über die Laufzeit erst zu richtigen Kerlen entwickeln und dem emotionalen Befreiungsschlag über den aufgefundenen Mut im großen Finale herleiten. Ryan (Jake Johnson) beispielsweise erwartete eine glorreiche Karriere als Footballspieler, bei einer Party und einem Sprung vom Dach in den Pool setzte er dieser Chance auf Weltruhm ein jähes Ende. Die Schuld dafür gibt es dem Schicksal und wenn alte Kumpanen seinen Weg kreuzen, versucht er der Frage „Was machst du so momentan?“ konsequent zu entfliehen. Der feinbesaitete Justin (Damon Wayans Jr.) hingegen darf sich zwar als Spieleentwickler beschreiben, wenn er dann aber mal ein neues Konzept präsentiert, wird es vom Kollegium zerschlagen. „Let's be Cops – Die Party Bullen“ arbeitet in seiner Charakter-Etablierung also mit ungleich bleichen Schablonen, mit denen dem Zuschauer auf Biegen und Brechen Sympathien abgerugen werden sollen.

    Doof ist nur, dass Ryan und Justin in ihrer attitüdenhaft-trivisalisierten Was-bringt-die-Zukuft-Vertretung nicht liebenswürdig erscheinen und erst recht nicht von einem repräsentativen Charakter zehren, der in gewisser Weise die heutige Generation auf der Suche nach sich selbst beschreibt, sondern in ihrem gegenseitigen Anfeuern und Besänftigen einfach nur nervig sind. Durch einen fehlgeleiteten Besuch einer Maskenparty, auf der Ryan und Justin in Polizeimontur erscheinen, stellen sie anschließend auf den Straßen fest, dass Uniformen vor allem beim weiblichen Geschlecht mächtig viel Eindruck schinden. Ein Ventil für die Errichtung von neuem Selbstwertgefühl hat sich also schnell in der gesetzeswidrigen Maskerade gefunden und Ryan und Justin entschließen sich dazu, von nun an zunehmend als Fake-Cops durch Stadt zu düsen. Dazu wird auf eBay mal schnell eine Polizeikarre geordert und ab geht die Post. Ryan steigert sich immer tiefer in seine falsche Autorität, während sich Justins Gewissen zu Wort melden versucht.

    Ungeeignet ist diese Prämisse für eine schmissige Komödie mit Sicherheit nicht, die Umsetzung hingegen ist desaströs. Unter quietschendem Dubstep-Geplärre werden Ryan und Justin durch allerhand kuriose Episoden geschleust, bis sie es schließlich mit der russischen Mafia zu tun bekommen und das Faschingsspiel auf einmal gar nicht mehr so viel Spaß macht, wie noch zu Anfang, als sich die Damenwelt ihnen um den Hals geworfen hat. Als klischeebeladene Nullnummer gibt sich „Let's be Cop – Die Party Bullen“ jeglichen vorhersehbaren Plattitüden geschlagen und sucht fortwährend den Pfad geringsten Widerstandes: Bloß nicht in pfiffig-spritzigere Sphären fallen, die das obligatorische „Lethal Weapon“-Zitat übersteigen. Unterhaltung respektive Kurzweil findet man ohnehin ob des obsoleten Humorverständnisses wenig bis gar nicht, stattdessen gibt es hysterisches Gekreische und deplatzierte Zugeständnisse an die eigene Männlichkeit. Ein Film zum Wegsperren.

  • Fundstück der Woche: Rap-Battle zwischen Spielberg, Hitchcock, Tarantino, Kubrick und Michael Bay

    Autor: Stefan Geisler

    Wie würde wohl ein Rap-Battle zwischen den Meister-Regisseuren Steven Spielberg, Alfred Hitchcock, Quentin Tarantino, Stanley Kubrick und dem Master of Krawall Michael Bay ausgehen? Die Jungs der "Epic Rap Battles of History" haben sich da mal einige Gedanken gemacht...

  • Erster Trailer zu Terrence Malicks "Knight of Cups" mit Christian Bale und Cate Blanchett

    Autor: Conrad Mildner

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    Wie mir der Trailer gefällt: Mit der heutigen Ankündigung, dass der neue Film von Regielegende Terrence Malick auf der kommenden Berlinale Premiere feiern wird, wurde auch kurzerhand der erste Trailer veröffentlicht, der McG-Liebling Christian Bale als (romantischen) Herumtreiber des Show-Biz zeigt. Da beinah nichts zur Handlung bekannt ist, müssen die Bilder für sich sprechen, die gewohnt bezaubernd sind und an ein "To The Wonder" auf Speed erinnern. Ich bin jedenfalls sehr gespannt und kann es kaum erwarten mein Berlinale-Premierenticket in den Händen zu halten.

    Der Film hat noch keinen offiziellen deutschen Kinostart.

  • "The Equalizer" (USA 2014) Kritik - Denzel Washington sorgt für ein fragwürdiges Gleichgewicht

    Autor: Pascal Reis

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    „Wer um Regen betet, muss auch den Matsch verkraften.“

    Seine Reputation in der Filmwelt verläuft in einem doch eher überschaubaren Rahmen; in Fan-Kreisen, speziell auf den Comic-Markt bezogen, darf sich der von Marvel ins Leben gerufene Punisher hingegen höchster Wertschätzung erfreuen. Frank Castle, so sein bürgerlicher Name, hat sich auf die Agenda geschrieben, die Stadt von jeglichem Gesocks der Unterwelt zu befreien. Und da ihm der Polizei- wie Justizapparat in ihren Mitteln nicht angemessen genug erscheinen, nimmt der Mann im ikonischen Totenkopf-Shirt die Dinge nun mal gerne selber in die Hand. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre gab es eine amerikanische Fernsehserie zu begutachten, die sich einer ähnlichen, unter ethischen Voraussetzungen nicht minder bedenklichen, Konzeption bediente: „Der Equalizer – Der Schutzengel von New York“. Verkörpert von Edward Woodward, sorgte der Equalizer wie auch der Punisher mit geballter Faust und durchgeladenem Waffenarsenal dafür, dass die Hilfsbedürftigen nicht länger angsterfüllt durch die Straßen wandeln müssen.

    Nun ist dieser in serieller Form oftmals gewürdigten Figur der Sprung in die Kinosäle gelungen. Prominent besetzt mit Denzel Washington in der titelgebenden Rolle und dazu noch in Szene gegossenen von niemand Geringerem als dem in Pittsburgh geborenen Antoine Fuqua. Klingt prinzipiell nicht schlecht. Washington und Fuqua besitzen dazu ja auch eine Vergangenheit – Und zwar eine durchaus schillernde! Immerhin wurde Denzel Washington für seine Darstellung in „Training Day“ unter der Ägide von Antoine Fuqua mit dem zweiten Academy Award seiner Karriere honoriert. Der Ruf, dass Fuqua ohnehin ein äußerst begabter Regisseur für Milieu- und Action-Film ist, hat sich unlängst mit „Shooter“ und „Gesetz der Straßer – Brooklyn's Finest“ zementiert. Allerdings ist der Mann auch immer wieder für echte Rohrkrepierer der Marke „Tränen der Sonne“ oder zuletzt „Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr“ in der Lage. Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt sind in der Filmographie des Antoine Fuqua auf einem doch reichlich dünnen Grat lokalisiert.

    Bevor falsche Erwartungen geschürt werden: „The Equalizer“ ist nicht im Ansatz der künstlerische Niedergang, wie man ihn noch in „Olympus Has Fallen – Die Welt in Gefahr“ über sich hat ergehen lassen müssen. Primär ist das Lob der Charismagranate Denzel Washington geschuldet, der einfach weiß, wie er das Publikum auf seine Seite ziehen kann und Sympathien dahingehend weckt, an der Stange zu bleiben und den Weg des schwarzen Mannes zu verfolgen. Problematisch ist nur, dass die fiktive Figur des Equalizers besser kein Sympathieträger sein sollte, sondern zu dem stehen, was sie nun mal zwangsläufig ist: Ein kaltblütiger Mörder, der seine Taten in den Dienst der Unbeholfenen stellt und daraus die moralische Legitimation für sein zuweilen gar orgiastisches Blutvergießen extrahiert. Die minderjährige Zwangsprostituierte Teri (Chloe Grace Moretz) bringt hier den Stein ins Rollen und nachdem diese kaltherzig in das hiesige Krankenhaus geprügelt wird, knöpft sich Robert McCall, so der Name des Equalizers, die russische Verbrechersippe im Hintergrund vor.

    Ohne Rücksicht auf des Gegners Verluste, so die Maxime des Equalizers, wird hier zu Werke geschritten. Und Antoine Fuqua geizt keinesfalls mit heftigen Gewaltspitzen, um diesem Motto in all seiner Garstigkeit gerecht zu werden. Der neurotische Equalizer selbst ist ein Archetyp des Kinos; derjenige, der die Schwachen stärkt, in dem er die (vermeintlich) Starken durch harsche, aber pedantisch koordinierte Brutalität schwächt. Fuqua trägt seinen Hauptdarsteller auf den Schultern, er stilisiert ihn zu einem sadistisch-taktierenden Übermenschen. Seine Verwundbarkeit kommt einer reinen Behauptung gleich, fast ist es so, als würde der Rächer nur deswegen bluten, um seinen Gegnern den Glauben zu schenken, noch im Spiel zu sein. Spätestens wenn er im ruppigen Finale aus dem Schatten der Baumarktregale schreitet und im ästhetisch prasselnden Regen der Sprinkleranlage die Nagelpistole fetzen lässt, erreicht dieses Abfeiern einen recht unangenehmen Höhepunkt. „The Equalizer“ krankt ein Stück weit an seinem reaktionären Habitus, er hinterfragt nichts, sondern befürwortet schlichtweg, als straighter Action-Thriller jedoch überzeugt Antoine Fuquas neuster Streich fraglos. Er ist halt einfach ein talentierter Regisseur und Denzel Washington ein großartiger Schauspieler. Fakt.

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