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  • Podcast: Der Perser und die Schwedin #3 - "Bad Timing" & "Wet Hot American Summer"

    Autor: Conrad Mildner

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    In Folge #3 von Der Perser und die Schwedin sprechen Sebastian Moitzheim und ich über Nicolas Roegs "Bad Timing" und - passend zum Start der Prequel-Serie auf Netflix - David Wains "Wet Hot American Summer".

  • "Jurassic World" (USA 2015) Kritik – Fußfall vor der Mutter des Blockbusterkinos

    Autor: Pascal Reis

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    „You can track them by smell or footprints?“ - „I was with the Navy! Not the Navajo!“

    Genau davon hat Milliardär John Hammond (Richard Attenborough) bereits vor über 20 Jahren geträumt: Von einem stabilen Themenpark, in dem sich Jung und Alt einer Reise zurück in prähistorische Zeiten aussetzen konnten, um mit echten Dinosauriern in Kontakt zu geraten. Dass dieses Vorhaben so visionär wie hochmütig ist, hat Alan Grant (Sam Neill) bereits prophezeit, allerdings wird die Szene nie in Vergessenheit geraten, in der sich ein Brontosaurus zum ersten Mal vor den weit aufgerissenen Augen des Paläontologen aufbäumte, um von den saftigen Blättern der Baumkrone zu zehren. Steven Spielberg verstand es in „Jurassic Park“, den Zuschauer fortwährend in die so euphorische wie angespannte Situation der Hauptfiguren zu versetzen, um sowohl dem Entdeckungsdrang Ventil zu offerieren, im nächsten Schritt aber auch Todesängste körperlich erfahrbar zu machen: „Jurassic Park“ war eben ein Film, den man nicht nur gesehen, sondern mit jeder Faser erlebt hat. Nun öffnet der Park erneut seine gigantischen Pforten.

    Der Traum John Hammonds ist also doch noch in die Tat umgesetzt geworden, der Jurassic Park ist inzwischen zu einer sensationshescheiden Welt herangewachsen und scheint tatsächlich vollkommen intakt zu sein. Gut, dann und wann schafft es mal ein weniger gefräßiger Saurier, seinem Gehege zu entweichen, doch die Sicherheitsmannschaft steht mit Betäubungsgewehren auf ihrem Posten und ist jederzeit bereit, dem ungewollten Vorkommnissen Einhalt zu gewähren. Allerdings, und hier reiht sich „Jurassic World“ in die selbstreflexive Tradition seines Franchise, genügt es dem technikverwöhnten Menschen von heute schon längst nicht mehr, einen T-Rex bei der Fütterung zu beobachten. Die Attraktionen müssen wachsen, imposanter und noch deutlich bedrohlicher werden, nur damit wir uns auch von diesen Schauwerten wenig später gelangweilt abwenden können. Bevor es aber auf Tuchfühlung mit den Dinosauriern geht, werden uns Gray (Ty Simpkins) und Zach (Nick Robinson) vorgestellt, die zum ersten Mal ohne Eltern vereisen und in Jurassic World mit ihrer Tante Claire (Bryce Dallas Howard), Sicherheitsmanagerin des Parks, einige angenehme Tage verbringen sollen.

    Fährt die Kamera dann über den Park, unterlegt mit John Williams ikonischer Komposition, die soviel Abenteuer und Magie in sich trägt, dann erweckt „Jurassic World“ tatsächlich ein sanftes Gefühl von Heimat. Und diese (neue) Heimat dürfen Gray und Zach dann auch schnell auf eigene Faust erkunden, ist Tante Claire doch auch passionierter Workaholic und vergräbt sich bis zu den Stöckelschuhen in Arbeit. Anhand dieser Figurenzeichnung ist es bereits bei ihrer Einführung klar, dass „Jurassic World“ sich einigen Sexismusdebatten stellen muss, wird Claire doch als steife, marktorientierte Businessfrau porträtiert, die, im Gegensatz zu ihrer Schwester, ihre Zeit in die Karriere, anstatt in eine Familie investiert, während die männliche Hauptrolle Owen (Chris Pratt) als verwegener Buddy und Raptorenflüsterer die Coolnesspunkte erntet – Sakrileg! Selbstverständlich ist das nicht sauber gelöst, keine Frage, und jede Kritik mag anhand der Konstellation dieser Charaktere angebracht sein, allerdings sollte man sich aufgrund dieses Aspekts nicht von dem gesamten Film und seinen Qualität abwenden, denn die hat er ohne Zweifel.

    Im Labor jedenfalls wurde ein genetischer Hybrid zusammengemischt, genannt Idominus Rex, der den alltäglich Touristenstrom mal wieder so richtig ins Staunen versetzen soll. Natürlich bricht genau dieses Untier aus und natürlich hat es (kognitive) Fähigkeiten, die denen anderer Saurier eindeutig überlegen sind. Und so beginnt „Jurassic World“ das Panikszenario der Vorgänger nachzuempfinden, obgleich Colin Trevorrows Blockbustertaufe inhaltlich den breitärschigen „Vergessene Welt: Jurassic Park“ als auch den knackige Popcorn-Flic „Jurassic Park III“ geflissentlich außer Acht lässt. „Jurassic World“ befindet sich in einer pausenlosen Ehrerbietung, Steven Spielbergs Klassiker thront über so gut wie jedem Set Piece, was man „Jurassic World“ allerdings nicht als bloßes Plagiieren ankreiden muss, sondern als eine herzliche Rückbesinnung auf nostalgische Werte. Dementsprechend ironisiert erscheint die Selbstreferentialität des Films, wenn er anhand dessen preisgibt, dass all das Spektakel und die Furore letztlich doch nur in voller Effektivität auftreten, wenn der Bezug zum Alten, zum Ehemaligen und Vorausgegangenen fester Bestandteil der Modernisierung bleibt, selbst (oder gerade!) wenn das Chaos nun auch über die rechteckigen Digitalkacheln der Sicherheitszentrale wütet.

    Nein, „Jurassic World“ ist ein schöner Blockbuster geworden. Ein Blockbuster der es versteht, Fan-Service zu bedienen, sich dem Original voll und ganz zu verpflichten, aber diesem nicht zu erliegen, nicht in seinem gigantischen Schatten qualvoll zu verenden. Vielmehr wird all die virtuose Klasse, die genuine Inszenierung, die memorablen Sequenzen mit Respekt aufgenommen und in eine fesselnde Dino-Safari eingebettet, die mit Sicherheit Lichtjahre hinter „Jurassic Park“ steht (allein, weil ihr die individuelle Handschrift fehlt), aber als Blockbustererfahrung immer noch so viel Freude bringt, dass man sich keinesfalls um Sentimentalitäten betrogen fühlt. Dass die Masse in diesem Fall mal durchaus Recht hatte und „Jurassic World“ mit über 208 Millionen US-Dollar das beste Startwochenende überhaupt spendiert hat, mag überraschend sein, ist allerdings dahingehend vertretbar, dass der seelenlose Marvel-Aufguss „Avengers: Age of Ultron“ konsequent abgehängt wurde. Und mal ganz grundsätzlich: Wenn einen verdammte Dinosaurier nicht mehr aus den Schuhen hauen, was soll dann bitte noch kommen? Eben.

  • "Da muss Mann durch" (DE 2015) Kritik – Rosamunde Pilcher unter mallorquinischer Sonne

    Autor: Pascal Reis

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    "Der Scherz ist das Loch aus dem die Wahrheit pfeift."

    Als mit „Mann tut was Mann kann“ 2012 die erste Verfilmung des Hans-Rath-Bestseller in die deutschen Kinos gekommen ist, war man als Filmfreund schon so weit vom nationalen Mainstream abgestumpft, dass man auf romantischen Komödie wie selbstverständlich die Til-Schweiger- oder Matthias-Schweighöfer-Signatur erspähen wollte. „Mann tut was Mann kann“ aber war dann nicht der weltfremde Ausdruck filmischer wie zwischenmenschlicher Inkompetenz, Regisseur Marc Rothemund hat eine mitunter wirklich sympathische Spitzen im Repertoire, um seinen gutmütigen Schwank um amouröse Verstrickungen und die Irrungen und Wirrungen in der Liebe unterhaltsam aufzuspannen. Dass „Mann tut was Mann kann“ letzten Endes dann doch nur im 08/15-Tümpel plantschte, das ist nun noch verzeihlicher, führt man sich den desaströsen Nachfolger „Da muss Mann durch“ zu Gemüte: Von den berühmt-berüchtigten Rosamunde-Pilcher-Adaptionen jedenfalls ist Thomas Lees Debakel nicht weit entfernt.

    Wie uns „Mann tut was Mann kann“ vor gut drei Jahren schon gelehrt hat, ist Paul (Wotan Wilke Möhring, „Who Am I – Kein System ist sicher“) einer festen Beziehung nicht abgeneigt, auch wenn ihm das schöne Geschlecht gerne mal für eine flotte Nacht genügt. Am Ende jedenfalls öffnet Paul sein Herz für die Veterinärin Iris (Jasmin Gerat, „ZweiOhrKüken“) und lässt damit auch eine Hochzeit platzen. In „Da muss Mann durch“ spielt das allerdings schon keine Rolle mehr, das Glück hat Paul verlassen, allerdings läuft ihm da auch schon Lena (Julia Jentsch, „Sophie Scholl – Die letzten Tage“) über den Weg, die Erbin des Verlagshauses, in dem Paul als Personalchef sein Geld verdient. Dass Lena eigentlich schon dem gutsituierten Patrick (Stephan Luca, „Heiter bis wolkig“) versprochen ist, ändert natürlich nichts daran, dass Paul sich Hals über Kopf in die nächste Romanze stürmt – Und gewinnt! Na gut, ganz so einfach ist es dann doch nicht und „Da muss Mann durch“ verbringt seine Hauptspielzeit auf dem paradiesischen Anwesen von Lenas adeligen Eltern: Hier muss Paul beweisen, dass er der Richtige ist.

    In „Mann tut was Mann kann“ war die Wohngemeinschaft um Paul, Schmanski (Jan Josef Liefers, „Knockin on Heavens Door“), Bronko (Fahri Yardim, „Wo ist Fred?“) und Günther (Oliver Korritke, „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“) noch als gruppentherapeutische Versuchsanordnung zu verstehen, in dem sich die vier besten Freunde wann immer es ging die Bälle zugespielt haben und sich über so manches Fallstrick umwanderten. „Mann tut was Mann kann“ hat dabei auch von Männerfreundschaften erzählt, von der Kraft, die sich Paul und Co. immer wieder gegenseitig geschenkt haben, um den Kopf nicht aufzugeben und sein Ziel weiterhin fest ins Fadenkreuz zu nehmen. In „Da muss Mann durch“ sind Schmanski und Co. nur noch Staffage, um hier und da einen billigen Gag einzustreuen, der Geschichte selbst aber bleiben die Freunde von Paul vollkommen abträglich, weil sie nichts zur Entwicklung beitragen, weil sie letztlich verzichtbar sind und – so scheint es – allein dem beißenden Pflichtgefühl wegen in die Narration integriert wurden.

    In „Da muss Mann durch“ liegt der Fokus nun auf Paul und Ex-Freund Patrick, die ihr Revierverhalten unbemerkt in Gegenwart von Lena und ihrer anspruchsvollen Familie (darunter übrigens auch Sophia Thomalla, die in ihrer ersten Szene direkt mal zeigt, was sie unter dem Shirt so zu bieten hat) austragen, um somit von einem Fettnäpfchen ins nächste Schlamassel zu stolpern. Das gegenseitige Ausspielen, der Wettstreit um die Zuneigung der holden Lena soll Pointen garantieren, wird, wie der gesamte Film übrigens, aber so dermaßen verkrampft, unkreativ und hilflos heruntergespult, dass dann auch spätestens die hölzernen Dialoge um Begehren und Kummer eine larmoyante Rosamunde-Pilcher-Natur vermuten lassen. „Da muss Mann durch“ ist ein biederer RomCom-Abzählreim, all die Geschehnisse riechen nach stupiden Plot Points ohne Halbwertzeit, anstatt dem eigentlichen Kern des Werkes in irgendeiner Weise sinnvoll zu begegnet.

  • "Fürst der Dämonen" (CZ/RU/UA 2014) Kritik – Fantasy-Amalgam ohne Hand und Fuß

    Autor: Pascal Reis

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    „Kreide ist die beste Verteidigung die wir haben. Zieh einen Kreis um dich herum und kein Teufel kann dir etwas anhaben!“

    „Der Wij“ von Nikolai Wassiljewitsch Gogol zählt zweifelsohne zu den renommiertesten Erzählungen der russischen Literatur. Nicht unverständlich ist es daher, dass diese Geschichte auch schon zwei Mal in die weite Welt der Kinematographie transferiert wurde: Sowohl im Jahre 1967, als auch zuletzt Anfang der 1990er Jahre. Wenngleich „Der Wij“ in Russland einen ähnlichen Bekanntheitsgrad genießt, wie in Deutschland etwa „Rotkäppchen“ oder auch „Die sieben Geißlein“, ist das mythologische Abenteuer um den ukrainischen Philosophiestundenten Choma Brut und seiner jähen Begegnung mit einem gar grässlichen Sukkubus in den deutschen Landen noch weitestgehend unbekannt. Dass die nunmehr dritte Adaption des prestigeträchtigen Stoffes, in diesem Fall von Oleg Stepchenko, der zuvor den Actionfilm „Velvet Revolution“ in Szene gegossen hat, höchst wahrscheinlich nichts daran ändern wird, scheint schon irgendwie mit der hiesigen Auswertung für den Heimkinomarkt besiegelt.

    Über die Qualität muss das indes natürlich rein gar nichts aussagen: Zuletzt hat auch „The Guest“ von Adam Wingard unter Beweis gestellt, dass es alljährlich Meisterwerke gibt, denen der Weg ins Kino einfach nicht vergönnt ist. Mit „Fürst der Dämonen“ aber ist nicht der Fall: Anstatt als Highlight die Runde zu machen, quasi wie der Phönix aus der Asche, zeichnet sich Oleg Stepchenko hier für einen Film verantwortlich, den man letzten Endes mit drei Worten sehr gut klassifizieren kann: Ein gescheitertes Projekt. Tatsächlich sollte „Fürst der Dämonen“ schon im Jahre 2009 fertiggestellt werden und Nikolas Wassiljewitsch Gogols Vorlage mit ordentlich Tamtam Tribut zollen. Mit fünfjähriger Verspätung können wir uns nun einen Eindruck davon machen, wie harsch man dieses Jubiläum doch in den Sand gesetzt hätte. Dabei bringt „Fürst der Dämonen“ mit Jason Flemyng („Bube Dame König grAs“) nicht nur einen ordentlichen Darsteller aus der zweiten Reihe mit sich, er verfügt auch über das richtige Maß an Fabulierlust.

    Die markante Optik sticht direkt ins Auge: „Fürst der Dämonen“ ist in wunderbar kontrastreiche Bilder gehüllt (zu Beginn, wohlgemerkt), zwar mit einer deftigen Kelle Color Grading unterstützt, aber immer noch so gefällig, dass man an den pittoresken Landschaftsaufnahmen durchaus hängenbleibt. Im 18. Jahrhundert angesiedelt, steht mit Dzhonatan Grin eine Figur im Mittelpunkt, die nicht unscheinbar an den „Sleepy Hollow“-Hauptakteur Ichabod Crane erinnert: Auch er ist ein Gelehrter, ein Wissenschaftler, bisweilen Bonvivant, der sich fernab seines Berufszweiges und Idealen beweisen muss. Allerdings fehlt Oleg Stepchenko die Sensibilität eines Tim Burton, um Dzhonatan Grain als facettenreiches Epizentrum anzusiedeln: Er bleibt, wie alle Figuren im Bunde, ein leeres Gefäß, ein unbeschriebenes Blatt, eben ein uninteressanter, ein unterentwickelter Held. Natürlich ist das eine Hürde, die der Film nehmen muss, dass man keine emotionale Bindung zur Hauptfigur aufbauen kann, den Spaß an der Sache muss das aber nicht gänzlich drosseln.

    „Fürst der Dämonen“ versagt vielmehr darin, dass er das Schauermär, welches er darstellt, nicht mit dem nötigen Geschick zu einer konstanten Eigendynamik führen kann. Es ist ja schon so, dass nicht einmal ein winziger Funke überspringt und die Reise in das dampfende Moor von Transsylvanien (zu jener Zeit noch ein grauer Fleck auf der Landkarte und vom christlichen Aberglaube dominiert) nur durch ihre synthetische Textur von sich reden machen kann. „Fürst der Dämonen“ ist unglaublich artifizielles Fantasy-Kino, die computergenerierten Effekte vollkommen aus der Zeit gefallen und obwohl das Narrativ vollends auf den phantastischen Moment forciert scheint, gelingt es Oleg Stepchenko zu keiner Zeit, ein kohärentes Ganzes zu formen. Visuell nicht gänzlich reizlos, das stimmt, aber so wirr erzählt und mit deplatziertem Klamauk untermauert, dass „Fürst der Dämonen“ weder ehrlichen Spaß evoziert, noch als von schwarzer Romantik umwitterter Trash Treffer landet. „Fürst der Dämonen“ darf sich mit „The Seventh Son“ oder „Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter“ in eine unrühmliche Reihe stellen.

  • "Alles steht Kopf" (US 2014) Kritik - Wenn einem die Superlative ausgehen

    Autor: Levin Günther

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    „Stop, Sadness! Think about that funny movie where the dog died!“

    Es dürfte sehr schwierig sein, sich dem Charme, der liebevollen Hingabe, dem Humor und der detailbesessenen Schönheit der Filme aus dem Hause Pixar zu entziehen. Neben der Aufmachung glänzten die Filme der Produktionsfirma aber auch schon seit jeher mit einer Ausgangsposition, die für Kinder und jene, die es wieder werden wollen, einen riesigen Reiz haben dürften. „Toy Story“ markierte einen spektakulären Anfang und brachte uns in die Gefühlswelten des Spielzeugs. „Die Monster AG“ versöhnte das Publikum mit der omnipräsenten Angst vor jeglichen Monstern. Und nun steht mit „Alles steht Kopf“ ein Film auf dem Plan, dessen Situation in pädagogischer wie in genereller Hinsicht ein Jackpot in der weiten Welt der Filmideen ist.

    Alle Filme der Pixel Art-Firma als Streifen für Kinder abzutun ist mit Sicherheit der falsche Schachzug, da diese oft die wirkliche Reichweite, die zum Beispiel der grandiose „Wall-E“ erreicht, noch gar nicht verstehen können. Und auch in diesem Film werden die kleineren Zuschauer hauptsächlich von der ihresgleichen suchenden Inszenierung und dem einfachen und runden Ende profitieren. Die vielen Emotionen sind nämlich ständig am Tun und Machen und reden ständig mit- und übereinander. Auch, wenn sie gar nicht im Bild sind. Das könnte für die jüngeren durchaus zeitweise etwas zu viel werden, was den Spaß zwar nicht verringert, aber eventuell Verständnisschwierigkeiten zur Folge haben könnte. Kinder um die 10 herum jedoch sollten hier nicht nur einen immensen Spaß haben, sondern auch einiges lernen. Denn die Art, wie dem Zuschauer das so abstrakte Konzept der Emotionen, Gedanken und generell dem Innenleben eines jeden Menschen dargelegt wird, lässt einen förmlich jubelnd aufspringen. Gedankengänge, Vorstellungen, imaginäre Freunde, Erinnerungen, Assoziationen, Gefühle, Albträume, … Es sind eine Vielzahl von Konzepten und nicht greifbaren Dingen, die wir nicht steuern können und derer Existenz wir uns oft nicht einmal bewusst sind, die von Pixar jedoch scheinbar so spielend leicht aufgenommen und dargestellt werden, dass es eine Freude ist.

    Riley zieht mit ihren Eltern weit weg nach San Francisco, ihr Vater muss auf einmal mehr arbeiten, das vertraue Umfeld ist komplett weg und sie ist mit ihren Gedanken allein. Da kommen die Emotionen schon einmal durcheinander, wenn Riley mit ihren Aufgaben wächst, die Albernheit der Nüchtern- und Schüchternheit weicht und eine melancholische Trauer langsam aber sicher die optimistische Aktivität überschattet. Riley muss erkennen, dass man als Mensch ein Teil eines großen Ganzen ist und nicht alles beeinflussen oder bestimmen kann. Der Film spielt humoristisch und ernst mit Dingen, die man schnell und zu Unrecht als Klischee abtun kann, die aber oft auf einer biologisch faktischen Ebene basieren. Der Film fängt stark an, hält die Position und kann sich sogar über die Zeit noch verbessern, wenn das Werk zu einem pädagogischen Geniestreich wird. Die Kinder werden ermutigt, sich selbst zu erforschen, über sich nachzudenken, aufeinander einzugehen und sich und seine Mitmenschen zu verstehen. Und gleichzeitig bekommt das Publikum eine Geschichte über Hoffnung, Vertrauen, Zusammenhalt und Freundschaft, vor allem aber über die Signifikanz von Gefühlen serviert. Louis CK, der wohl lustigste weil ehrlichste Melancholiker, sagte einmal, dass die Menschen viel zu oft versuchten, Emotionen mittels Ablenkung zu unterdrücken. Das ist schade, da die Emotionen, egal welcher Art, ob fröhlich, traurig, ängstlich oder wütend, das ehrlichste sind, was wir Menschen haben.

    Pixar steht qualitativ ziemlich weit abgeschlagen an der obersten Spitze am Himmel des animierten Filmes und mit „Alles steht Kopf“ haben sich die lieben Leute der Firma wieder einmal selbst übertroffen. Die Visualisierung des eigentlich nicht Visualisierbaren, sprich des Verstandes und der Emotionen, sind verständlich, angenehm und kurz gesagt: großartig. Die Dichte der Informationen und Eindrücke über die kurze Laufzeit verteilt helfen dabei, Neugier und Spaß stets ganz, ganz weit oben zu halten, was sicherlich auch daran liegt, dass man so etwas vorher noch nicht gesehen hat. Die gewohnt liebevolle Umsetzung macht den Rest. Man muss sich verneigen vor der Originalität, dem Witz, dem Intellekt und der angemessenen Umsetzung einer Idee, die so wohl nur von Pixar kommen kann. Uneingeschränkt zu empfehlen, was auch nicht zuletzt an den tollen Synchronsprechern liegt.

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