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  • "Schoßgebete" (D 2014) Kritik - Familientragödien und Würmer im Arsch

    Autor: Stefan Geisler

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    "Kann ich mal dein Poloch sehen?"

    Eine der größten Kinoüberraschungen des vergangenen Kinojahres war für mich die Leinwand-Adaption des Skandalromans „Feuchtgebiete“ von Ex-VIVA-Moderatorin Charlotte Roche. Regisseur David Wnendt („Kriegerin“) inszenierte mit „Feuchtgebiete“ eine kleine Oase der verspielten Perversion in der sonst so drögen deutschen Kinolandschaft. Die ungezwungene Freizügigkeit, mit der im Film sämtliche „Kneifzangen-Themen“ angesprochen wurden, die großartige Leistung der tabulosen Darstellerin Carla Juri und der tiefschwarze Humor waren Balsam für jede Kinoliebhaber-Seele, die sonst mit belanglosen ARD-Eigenproduktionen gefoltert wird. Der Erfolg von „Feuchtgebiete“ an den heimischen Kinokassen musste natürlich unweigerlich dazu führen, dass auch Charlotte Roches zweites, nicht minder schlüpfriges Buch „Schoßgebete“ seinen Weg auf die Leinwand finden sollte. Diesmal natürlich mit namhaften Cast. Unter der Regie von Sönke Wortmann („Das Wunder von Bern“) sollten nun Jürgen Vogel und Lavinia Wilson im Schafzimmer das Dildo-Karussell bedienen und beim Ü-50-Publikum für Herzrasen sorgen. Doch Pustekuchen: „Schoßgebete“ ist generische deutsche Kinoware in massentauglicher Schweiger-Optik, bei der selbst die sexuellen Ausschweifungen und kleinen Widerlichkeiten zumeist nichts weiter als reiner Selbstzweck bleiben.

    Elizabeth Kiehl (Lavinia Wilson) hatte in den letzten Jahren wenig zu lachen. Ein tragischer Unfall reißt drei geliebte Familienmitglieder aus ihrem Leben uns stürzt die junge Frau in ein tiefes Loch. Ticks und Spleens bestimmen fortan ihr Leben. Alles muss von nun an geregelt sein und nach ihrem Willen laufen. Selbst ihre Tochter, der Lebenspartner (Jürgen Vogel) und der eigene Tod sollen nach ihren Wünschen funktionieren. Eine Therapeutin (Juliane Köhler) soll Elizabeth helfen, mit dem Erlebten umzugehen, doch eigentlich vermittelt der beklemmten Frau nur eine einzige Sache ein Gefühl der Freiheit: Sex...

    Wer mit „Schoßgebete“ einen spielerisch-verrückten Kino-Trip erwartet, der ist schief gewickelt. Sönke Wortmann schlägt in der Roman-Adaption ernstere Saiten an. Die ruhigen Töne mögen verwundern, sind dennoch nachvollziehbar, denn immerhin verarbeitete Autorin Charlotte Roche in ihrem Buch eine persönliche Tragödie. Bei einem Unfall kamen 2001 ihr Bruder und ihre zwei Stiefbrüder ums Leben und auch ihre Mutter wurde schwer verletzt. Dennoch ist „Schoßgebete“ weit ab davon, wirklich heftige Drama-Kost zu sein, denn natürlich müssen auch irgendwie die Erwartungen erfüllt werden, die an ein Werk mit „Charlotte-Roche-Ekel-Siegel“ gestellt sind. Herausgekommen ist ein missglückter Spagat zwischen Drama und Unterhaltungsfilm. Der zaghafte Versuch, aus dem zwanghaften Sexleben der Protagonisten so etwas wie eine sexuelle Selbsttherapie zu machen, klingt zwar an, wird von Wortmann jedoch nie radikal genug umgesetzt und verkommt so lediglich zur unbedeutenden Fußnote. Stattdessen gibt es immer wieder belanglose Ekel-Sequenzen und müde Sex-Witzchen, die anders als bei „Feuchtgebiete“ keinen Mehrwert innehaben. Ekel um des Ekels Willen sozusagen. Ein müder Tabubruch, der höchstens Rentner und Spätpubertierende in Erregung versetzen dürfte.

    Eigentlich hätte gerade der gestandene Regisseur Sönke Wortmann mit all seiner Film- und Theatererfahrung den Unterschied machen können, doch dessen Inszenierung erweist sich als unangenehm künstlich und bisweilen geradezu kitschig. Gerade die Rückblenden-Szenen (unnötig hervorgehoben durch den Einsatz von Farbfiltern), die dem Zuschauer einen Einblick in das Leben vor dem Unfall werfen lassen, verkommen unter Wortmanns Regie zu einer Zurschaustellung eines völlig überzogenen Heile-Welt-Gefühls, wodurch eine emotionale Bindung zu den einzelnen Figuren nahezu unmöglich gemacht wird. Die Tragik des nachfolgenden Unfalls ergibt sich dementsprechend nicht durch den Film als solchen, sondern lediglich durch das Wissen, dass das hier Gesehene weniger Fiktion als Charlotte Roches persönliche Aufarbeitung eines schrecklichen Unglücks ist.

    Wenn es inhaltlich und inszenatorisch nicht läuft, dann sollte doch wenigstens der Cast noch einige Pluspunkte herausholen können, oder? Leider enttäuscht auch die Darstellerriege, vom herrlich stoischen Jürgen Vogel einmal abgesehen, auf ganzer Linie. Gerade Hauptdarstellerin Lavinia Wilson („Der letzte schöne Tag“) scheint komplett überfordert mit der eigenwilligen Hauptfigur Elizabeth Kiehl, die nicht nur unter etlichen Spleens leidet, sondern auch noch ihre Familientragödie zu verarbeiten versucht. Lavinia Wilson schafft es dabei selten, die richtigen Töne zu treffen. Meist erstickt sie jedwedes Gefühl unter gnadenlosem Over-Acting, wobei dies besonders in den emotional aufgeladenen Szenen nicht nur unbeholfen, sondern bisweilen unfreiwillig komisch wirkt.

    Fazit: „Schoßgebete“ ist nicht „Feuchtgebiete 2.0“, dennoch hätte die Roman-Adaption durchaus das Potenzial gehabt, ein ähnlich originelles Leinwand-Drama zu werden. Letztlich kränkelt „Schoßgebete“ jedoch an Sönke Wortmanns ideenleerer Inszenierung und einer überforderten Hauptdarstellerin.

  • "Blood Ties" (FR/US 2013) Kritik – Nicht noch eine Crime-Saga!

    Autor: Pascal Reis

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    „He was my hero.“

    Guillaume Canet ist schon ein guter Mann, hat er sein Talent vor und hinter der Kamera doch schon unlängst unter Beweis gestellt. Man sollte von dem Franzosen selbstredend kein Schauspiel der Güteklasse eines Yves Montand („Vier im roten Kreis“) oder die inszenatorische Wucht eines Jacques Audiard („Der Geschmack von Rost und Knochen“) erwarten, doch Canet ist einer der Akteure, die jeden Rollentypus auszufüllen vermögen, vom perfiden Mysterium bis zum stinknormalen Jedermann. Und auch die Projekte, die unter seine Ägide entstanden sind, gefallen dadurch, dass sie gutes Entertainment generieren, sich darüber hinaus aber auch einem gewissen Arthouse-Impact nicht verwehren können und doch tiefer bohren, als man es zu Anfang hätte erwartet (seine Ensemble-Tragikomödie „Kleine wahre Lügen“ von 2010 ist ein gutes Beispiel dafür). Mit „Blood Ties“ geht Canet nun quasi den Weg, den auch schon sein spanisch-isländischer Kollege Baltasar Kormákur beschritten ist: Er legt einen Film neu auf, in dem er einst höchstselbst die Hauptrolle gespielt hat.

    Stand Baltasar Kormákur noch in „Reykjavik – Rotterdam: Tödliche Lieferung“ im Rampenlicht, inszenierte er anschließend dessen Remake „Contraband“ mit Mark Wahlberg als populäres Zugpferd. In „Rivals – Zwei Brüder“ war es Guillaume Canet, der neben Francois Cluzet mit einer soliden Leistungen zu gefallen wusste. Und nun hat er sich eben bei „Blood Ties“ den Regiestuhl gesichert, um diese Geschichte noch einmal aufzulegen, damit die Amerikaner sich bloß nicht mit mühseligen Untertiteln herumschlagen müssen. Aber trotzdem bleibt es ein interessanter Gedanke: Canet inszeniert ein toughes Crime-Drama. Das verspricht nicht nur stylische Aufnahmen, sondern auch reichlich Tiefgang im verworrenen Charaktergeflecht. Doch an dieser Stelle muss bereits Einspruch eingelegt werden: „Blood Ties“ sieht sicher fantastisch aus, doch inhaltlich orientiert sich der Film beinahe durchgehend an dem oberflächlichen Strom abgedroschener Genre-Vehikel à la „Helden der Nacht“ oder „The Iceman“. Dass „Blood Ties“ jedoch nicht in diesem wellenschlagenden Fahrwasser absäuft, hat er vor allem Clive Owen zu verdanken, der den Film unbedingt über die Ziellinie tragen möchte – Und ihn dafür komplett auf seine Schultern schnallt.

    Schon in den ersten Minuten wird deutlich, wie viel Liebe Guillaume Canet der Rekonstruktion des in den 1970er Jahren angesiedelten Brooklyns entgegenbringt. In dieser Hinsicht definiert sich sein Werk als stimmungsvolles Peroid Picture, das seine fokussierte Ära gut mit der Crime- und Familiengeschichte verknüpfen kann. Es versteht sich dabei wohl auch von selber, dass die Tonspur vollgeklatscht wurde mit zeitgenössischer Musik, von Ace Freshley über The Rubettes bis hin zu Al Wilson ist wohl alles dabei. Doch Canet ist nun mal kein Martin Scorsese, auch wenn manche Kameraeinstellungen und -Schwenks Meister Marty gehörigen Respekt zollen sollen. Von den brillanten Montagen eines „GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia“ oder eines „Casino“ ist „Blood Ties“ Lichtjahre entfernt, genauso wie es das Drehbuch zwar versteht, Gangster respektive Genre-Klischees sklavisch nachzuäffen, seine Charaktere und ihr Innenleben allerdings eher stiefmütterlich behandelt und sich mit jeder Menge Augenwischerei aus der Affäre zu ziehen versucht: Die großen Themen werden zwar angeschnitten, sie werden aber nicht tiefergehend behandelt, was diesen doch elementaren Aspekt für die Dramaturgie irgendwo tragisch verwelken lässt.

    „Blood Ties“ ist ein waschechter Schlagwortfilm: Es geht um Ehre, um Liebe, um Loyalität und um familiäre Werte, die dem Polizeiethos überlegen sind. Im Mittelpunkt stehen die ungleichen Brüder Chris (Clive Owen) und Frank (Billy Crudup). Der eine ein Verbrecher, frisch aus dem Knast gekommen, der andere ein Cop, vom Dezernat als aufrichtiger Kamerad registriert. Chris versucht sein Leben endlich auf die Reihe zu bekommen, doch die Vergangenheit holt ihn natürlich wieder ein und er lässt ihn zunehmend zurück alte Verhaltensmuster fallen, was die Diskrepanzen zwischen ihm und seinem Bruder weiter schürt. Schon in dieser minimierten Ausgabe einer Synposis wird deutlich, mit welcher Formelhaftigkeit „Blood Ties“ doch hantiert. Die Frauenrollen fallen allerdings nicht besser aus: Marion Cotillard ist die obligatorische Ex, während Mila Kunis als neue, irgendwie komplett charakterlose Flamme herhält. Und wie es sich in einem so oft vom Chauvinismus heimgesuchten Sujet gehört, bekommen die Damen direkt mal welche geknallt, wenn sie sich erlauben, frech zu werden. Sie sind doch eh alles nur geldgeile Nutten oder hilflose Geschöpfe, die sich nach der starken Schulter ihres virilen Beschützers sehnen.

    Was „Blood Ties“ ebenfalls vermissen lässt, ist ein ausgegorener narrativer Rhythmus: Zu Anfang erweckt der Film noch den Eindruck, sich wirklich für seine Charaktere zu interessieren und ihnen mit aller Ruhe folgen zu wollen, um das Familienkonstrukt zu grundieren und die sich anbahnende Konflikte im Folgenden noch viel heftiger auf die Protagonisten wie die Zuschauer einprasseln zu lassen. Dem ist aber nicht so. „Blood Ties“ wechselt seine Tonalität irritierend oft, ist plötzlich von einer garstigen Brutalität gezeichnet, um im nächsten Moment wieder ganz gemächlich die Kugel zu schieben: Er steigert sich nicht. Am Ende, wenn sich die Dynamiken (so hat es sich der Film jedenfalls erhofft) bis zum Anschlag aufgeladen haben, will er sich dann in einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd entladen, die in einem intensiven Aufeinandertreffen der beiden Brüder gipfeln soll. Aber „Blood Ties“ ist zu konstruiert und damit auch zu transparent, um Spannung und Emotionalität zu evozieren. Wenn man positiv gestimmt ist, könnte man „Blood Ties“ als klassischeren Vertreter seiner Zunft bezeichnen, letztlich ist der Film aber nur eine lauwarmes Aufwärmen augenscheinlich inhärenter Klischees und Stereotype jener Domäne.

  • "Open Grave" (USA 2013) Kritik - Das Zeitalter der Finsternis

    Autor: Pascal Reis

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    „We were here to help. But we failed.“

    Es sind keine Wirbelstürme an Kreativität, die Gonzalo Lopez-Gallego auf das mehr oder weniger cinephile Publikum eindreschen lässt. Der Spanien beherrscht es hingegen, in seinen Filmen mit einer schroffen, partiell gar naturalistischen Atmosphäre aufzuwarten, die den handelsüblichen Genre-Kolportagen, wie sie den internationalen Markt allmonatlich heimsuchen, dahingehend einen groß Schritt voraus sind. Da wäre beispielsweise der brüske Thriller „King of the Hill“ von 2007, in dem sich ein Mann irgendwo in einem verworrenen Waldgebiet plötzlich im Fadenkreuz eines augenscheinlich Wahnsinnigen wiederfindet. Eigentlich ein Film, der maximal für den hohlen Zahn taugt, seine atmosphärische Suggestion, die ganz auf ein realitätsnahes Klima setzt, aber veredelt das B-Movie nachhaltig. Sein vier Jahre später erschienener Sci-Fi-Horror „Apollo 18“ untermauerte dann noch einmal, dass Lopez-Gallego wirklich immenses Talent darin aufweist, eine ergreifende Stimmung heraufzubeschwören, fiel im Kanon der Kritiken dann aber allerdings durch seine erzählerischen Mängel durch. Nun dürfen wir auch in Deutschland in den Genuss von „Open Grave“ kommen.

    Ein Werk, das den künstlerischen Werdegang von Lopez-Gallego vielleicht in eine etwas deutlichere Richtung lenken wird und dadurch das Interesse von wirklich großen Produktionsfirmen auf sich ziehen könnte. Mit „Open Grave hat Lopez-Gallego jedenfalls nach „King of the Hill“ mal wieder bestätigt, dass man bei ihm nicht nur auf Feeling bauen kann, sondern auch eine spannende Geschichte zu erwarten hat, denn „Open Grave“ ist ein wirklich überraschend sehenswerter Genre-Hybrid und steht über dem Standard hiesiger Direct-to-DVD-Auswürfe. „Open Grave“ verlässt sich zu Anfang noch auf eine Prämisse, die weit weg von einem ganz und gar originären Habitus verweilt, in adäquater Handhabung aber mitreißendes Kino versprechen könnte: Ein Mann (Sharlto Copley, „District 9“) wacht inmitten eines rigoros gestapelten Leichenhaufens auf, seine Knochen knacken bei jeder Bewegung gar fürchterlich und während am nächtlichen Firmament die Blitze kreischend toben, prasselt der Regen auf den Körper auf Jonah, so sein Name, wie wir später erfahren, ein. Die Szene hat etwas von einer in Schmerzen gebündelten Reinkarnation. Die wahre Crux an der Sache: Er verfügt über keinerlei Erinnerung mehr.

    Wenn man die Zügel nach dieser simplen Etablierung der Grundhandlung locker lässt, läuft man hohe Gefahr, dass der Film einer dumpfen Mindfuck-Dramaturgie auf den Leim geht und seinen Wer-bin-ich-und-was-mache-ich-eigentlich-hier-Topos in eindimensionale Raster zu pressen versucht. Natürlich erinnert „Open Grave“ zuweilen an Filme wie den mit Jim Caviezel, Greg Kinnear und Barry Pepper ziemlich solide besetzen „Unknown“ von 2006, um sein Narrativ in der letzten halben Stunde auch mal etwas stärker Danny Boyles „28 Days Later“ abtasten zu lassen, ohne dessen Qualitäten in vollem Ausmaß reproduzieren zu können. Müsste man „Open Grave“ in klare Genres klassifizieren, dann ließe sich der Film wohl als ein Mystery-Thriller mit einigen fiesen Horror-Elementen titulieren, dessen apokalyptischer Grundstimmung nicht von ungefähr kommt, wie die einfach unfassbare Endeinstellung klarstellt: Ein derart erschlagendes Bild gehört eigentlich auf die große Leinwand und wird mit Sicherheit die Kinnladen reihenweise gen Süden klappen lassen. Aber noch einmal ein Stück weit zurückgerudert: Selbstredend steht Jonah nicht allein mit den pochenden Fragezeichen im Kopf da.

    Mit von der Partie ist auch zum Beispiel auch Thomas Kretschmann („Dario Argentos Dracula“), der sich, wie es sich für einen Deutschen wohl nun mal auch geziemt, vor allem knurrend und mit der durchgeladenen Schrotflinte im Anschlag durch die Szenerie schlurft. Das Positive an „Open Grave“ ist, dass es das Drehbuch von Eddie und Chris Borey tunlichst vermeidet, das fokussierte Vexierspiel über das Ziel hinausschießen zu lassen. Die Figuren sind – auch für sich selbst – erst mal bloße Chiffren und es werden dramaturgische Haken geschlagen, während unsere Protagonisten auf der Suche nach ihrer Identität sind und das Vakuum in ihren Köpfen mit Hinweisen zu füllen versuchen. Das Gelände, welches von aufgebahrten und von den Bäumen baumelnden Leichen gezeichnet ist, lässt jedenfalls nichts wirklich Gutes erahnen. „Open Grave“ versteht es, den Zuschauer in das Geschehen zu involvieren und ihm die gleichen Fragen zu offerieren , wie er sie auch den Akteuren unterbreitet. Seine wahre Essenz wird jedoch erst in den letzten Minuten in einem interessanten Zwiespalt an die Oberfläche gekehrt: Ein winziger Hoffnungsschimmer flackert wie ein Kerzenlicht und könnte im nächsten Moment für immer erlöschen. Unwohlsein regiert. Haben wir noch eine Chance?

  • "Rampage - Capital Punishment" (CA/DE/US 2014) Kritik - Uwe Boll ruft auf zum Massenmord

    Autor: Pascal Reis

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    "Kill the rich!"

    Für nicht wenige Menschen (und dazu gehören nicht nur Uwes Vasallen!) zählt der 2009 veröffentlichte „Rampage – Rache ist unbarmherzig“ zum Besten, was Uwe Boll Zeit seiner Karriere jemals auf die Beine gestellt hat. Aber mal ehrlich, was bedeutet das schon? Nicht viel, so viel ist sicher. „Rampage – Rache ist unbarmherzig“ hatte eben das Glück, dass er unter dem handwerklichen Aspekt nicht gänzlich vom Dilettantismus seines Regisseurs übermannt wurde. Die Handkamera im Schleudergang nämlich hat sich so manches Mal bezahlt gemacht und den Action-Sequenzen nicht die Dynamik geraubt, sondern tatsächlich dann und wann akzentuiert. Dass sich sein exploitativer Reißer aber darüber hinaus wirklich als ein von gesellschaftskritischer Relevanz geschwängertes Werk verstehen lassen möchte, macht die Sache im Umkehrschluss dann wieder ungemein ärgerlich. „Rampage – Rache ist unbarmherzig“ ist weder kritisch, noch satirisch, sondern einzig und allein debil-reaktionäre Verhetzung. Und genau da setzt er nun auch wieder mit „Rampage – Capital Punishment“ an.

    Fokussierte Uwe Boll in „Rampage – Rache ist unbarmherzig“ noch das irrational-willkürliche Handeln eines Soziopathen, was ja irgendwo auch interessant wäre, wenn Boll dazu fähig wäre, psychologische Komponenten nicht nur am Reißbrett zu entwerfen, sondern mit ätiologischem Hintergrund zu arbeiten, schwingt er sich mit „Rampage – Capital Punishment nun endgültig zum Agitator auf. Die Aussage von „Rampage – Capital Punishment“ fällt dementsprechend verwerflich aus: Die Reichen müssen sterben. Damit sind laut Uwe nicht alle Millionäre gemeint, sondern die oberen Zehntausend, aber wenn einer von ihnen dem im Kevlarpanzer gehüllten Wüterich Bill (Brendan Fletcher) dann schon mal vor die durchgeladene Vollautomatische läuft, dann geht das schon in Ordnung. Was nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln bleibt, ist die Antwort auf die Frage, wie Uwe Boll es sich wirklich erlauben kann, derlei Filme als Zeitkritik zu titulieren? Denn, und das ist die einzig berechtigte Frage, wo und wann formulieren „Rampage – Rache ist unbarmherzig“ oder „Rampage – Capital Punishment“ wirklich klare, sinnstiftende Kritik, mit der man arbeiten kann?

    Nur weil sich der selbstgerechte Bill in seinen V-Logs in geschwollenen Tiraden über so manchen Usus bestimmter Systeme echauffiert, ist das noch lange keine Kritik. Das ist unreflektiertes Genörgel, welches sich gänzlich jedem Lösungsvorschlag verschließt und auf barbarische Methoden aus Zeiten des dunklen Mittelalters zurückgreift: Alle müssen sie sterben! Aber warum, wenn die „Säuberung“, wie sie Bill nennt, doch nur die oberen Zehntausend bezieht, müssen dann so viele „normale“ Leute auf den Straßen Amerikas das Zeitliche segnen? Will Uwe Boll uns dann tatsächlich auf die triviale Natur solcher Gedankengänge aufmerksam machen und aufzeigen, wie schnell Menschen in ihrem Vorhaben die eigenen Prinzipien verraten? Versteckt sich in „Rampage – Rache ist unbarmherzig“ womöglich ein Diskurs über Macht und Bill ist seiner Macht dahingehend verfallen, Gott zu spielen, weil er über Leben und Tod entscheiden darf? Nein, das wäre erstens zu subtil und zweitens auch zu weitsichtig für Uwe Boll. „Rampage – Capital Punishment“ setzt drei Jahre nach „Rampage – Rache ist unbarmherzig“ an und arbeitet sich erst mal durch massig Footage des Vorgängers.

    Irgendwann begrüßt uns Bill dann wieder, lädt seinen geistigen Dünnschiss im Korsett misanthropischen Geseiers ab, bis die Marschroute mal wieder auf den Punkt gebracht wird: „Kill the rich!“. Vorher werden dann aber erst mal wieder willkürlich Menschen aus der Seitengasse abgeballert, während diese ganz unbedarft durch die Stadt schlendern. Ist das Uwe Bolls Definition von schwarzem Humor? Untermalt respektive erdrückt wird die Szenerie von Jessicade Rooijs wummerndem Score, der gefühlt den gesamten Film verdeckt. Ist das Uwe Bolls Versuch, Spannung zu erzeugen? Wenn sich Bill dann in der Fernsehstation verschanzt hat und verlangt, dass seine Aufnahmen veröffentlicht werden, bevor ihm ein Live-Interview ermöglicht wird, führt „Rampage – Capital Punishment“ sein Vorhaben komplett ad absurdum, denn spätestens dann ist vollkommen klar, dass nur noch Uwe Boll höchstpersönlich durch Bill spricht und seinen Hass auf die Menschheit breittritt. Frauen müssen beispielsweise sterben, weil sie Yoga betreiben (Gymnastik für Exzentriker. Böse!) und Boll, selber in einem Cameo vertreten, stimmt seinem Massenmörder in seinen Taten endgültig zu: „This guy is so right!“.

    Also, wie soll Kritik funktionieren, wenn man mit seinem „Protagonisten“, einen verblendeten Massenmörder, der gegen alles und jeden hetzt und am Ende sogar noch zum kollektiven Blutrausch einlädt, in aller Widerwärtigkeit sympathisiert? Wie soll Satire funktionieren, wenn man nicht dazu gewillt ist, einen Lösungsvorschlag auf jedwede Missstände zu akzeptieren, sondern alles und jeden einfach über den Haufen schießt? Aber dass „Rampage – Capital Punishment“ vor allem verblendeten Schwachsinn propagiert war ja zu erwarten. Wer sich am Inhalt nicht stört (ist das wirklich möglich?) und auf gepflegt blutiges Abschlachten hofft, der wird ebenso ernüchtert zurückgelassen. „Rampage – Capital Punishment“ ist Billigware, unfassbar schlecht gefilmt wie getrickst und vermisst dazu selbstredend jeden Sinn für einnehmende Action. Immerhin das hatte ja im marginal besseren Vorgänger geklappt.

  • "Serena": Erster Trailer zu Susanne Biers Ehe-Drama mit Jennifer Lawrence und Bradley Cooper

    Autor: Pascal Reis

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    Wie mir der Trailer gefällt: Dass die dänische Regisseurin Susanne Bier ("Nach der Hochzeit") schon seit einigen Jahren ihren Biss verloren hat, ist kein Geheimnis mehr. Trotzdem schafft es die Dame immer noch, solide Filme abzuliefern. Mit "Serena" könnte sie sich allerdings mal wieder etwas mehr Lob einheimsen, denn ihr Period Picture verspricht nicht nur großartiges Schauspielkino (Lawrence und Cooper mal wieder vereint), sondern auch eine intensive, brillant fotografierte Geschichte um Liebe und Eifersucht.

    Deutscher Kinostart ist der 18. Dezember 2014.

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