"Alle lieben den Schlitten."

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„Papa, sind der Weihnachtsmann und der Osterhase eigentlich Freunde?“ Mit dieser Frage soll alles angefangen haben. William Joyce, der Autor der Kinderbuchreihe „Die Hüter des Lichts“ bekam diese Frage von seiner sechsjährigen Tochter gestellt. Vierzehn Jahre und zahlreiche Bücher später bringt Dreamworks nun den passenden Film ins Kino unter der Regie von Peter Ramsey, der hiermit sein Langfilmdebüt abliefert.

Anstatt die Bücher zu verfilmen, entschieden sich Ramsey und Joyce eigene Geschichten fürs Kino zu entwickeln und verlegten die Handlung viele Jahre nach den Handlungen in den Büchern. Der Weihnachtsmann mit russischen Vorfahren und Tattoos, der Osthase mit dem australischen Touch eines Rangers, die Zahnfee mit Matriarchat und unterdrückter Libido und der stumme Sandmann mit schier grenzenlosen Kräften bilden ein Team, die Hüter des Lichts, die es sich zur Aufgabe gemacht haben die Kinder der Welt zu beschützen. Eine neue Bedrohung zieht allerdings mit Pitch, auch als der schwarze Mann bekannt, auf und die Hüter kriegen mit Jack Frost, dem Herr des Eises, gleich neue Verstärkung im Kampf gegen das Böse.

Ziel der eigenen Kinogeschichten ist in erster Linie der logische Ausbau eines Franchises, dass sich diagonal und quer durch alle Medien konsumieren lässt. Die Kinder sollen nicht nur ins Kino gehen. Die Filme dienen nicht als Buchersatz sondern als Erweiterung, was schon mal lobenswert ist. Schwieriger zu verstehen ist dagegen Dreamworks Schulung gewisser Sehgewohnheiten beim doch recht jungen Publikum.

„Die Hüter des Lichts“ ist kein schwerer Film und nur in dem Kontext ein Familienfilm, weil man seine Kinder noch nicht alleine ins Kino gehen lassen kann. Die eingangs erwähnte Frage von Joyces Tochter wird zwar genau beantwortet, aber am interessantesten bleiben die Background-Geschichten unserer Helden. Dem Design der Charaktere und ihrer Umgebung sind die Hintergründe stets fest eingeschrieben. Der Weihnachtsmann als Kosake mit russischem Akzent oder der Osterhase mit Bumerang. Wie wurden sie zudem was sie sind? Dass diese Frage interessant ist, bestätigt bereits der Anfang, wo ausführlich die Geburt Jack Frosts erzählt wird. Alle anderen Helden, geschweige denn Pitch, kriegen keine spannenden Hintergrundgeschichten. Es bleibt zu hoffen, dass sich Dreamworks das für kommende Teile aufsparen wollte.

Ramsey setzt bei seinem Film auf bewährtes und kommt nicht in die Bredouille sein Publikum zu überfordern, jedenfalls nicht inhaltlich. Auf der einen Seite gibt es die Guten und auf der anderen Seite gibt es die Bösen. Seit vielen Jahren kann man beobachten wie Kinderfilme immer mehr abbauen. Typische moralische Konflikte und schwierige Emotionen werden meistens durch eine rosarote Weltsicht und enorme Schauwerte ersetzt. Anders hat es Dreamworks nun auch nicht gemacht und bereitet sein zukünftiges Erwachsenenpublikum schon mal auf das Blockbusterkino vor, was man am einfachsten mit dem Wort „Superhelden“ zusammenfassen kann und die Hüter des Lichts sind schließlich nichts anderes. Sie erinnern nicht von ungefähr an die erfolgreichen „Avengers“ aus diesem Jahr, eine ungleiche Clique mit festgeschriebenen Mythologien, die sich vereinen muss. Zum Glück lässt Ramseys Film auch Raum für ebenso witzige wie unterhaltsame Zwiegespräche zwischen den Helden. Richtig aufdrehen tut der Film aber erst wenn es an die Action geht.

Bereits der Trailer suggerierte ein großes Actionfeuerwerk mit einer ordentlichen Portion Humor. Also genau die Mischung mit der man das Publikum heute ins Kino lockt. Natürlich dürfen da auch nicht die niedlichen Sidekicks fehlen. In diesem Film sind die Elfen des Weihnachtsmanns für die Awww's zuständig, wobei sie nicht von ungefähr an die Mignons aus „Ich – unverbesserlich“ erinnern. Recycling ist ja erlaubt.

Dennoch, zurück zur Action, die visuell und inszenatorisch natürlich ganz auf der Höhe der Zeit ist. Die virtuelle Kamera vollführt die rasantesten Bewegungen und das Schnitttempo ist für einen 3D-Film sogar ziemlich flott. Dass die Aufmerksamkeit der Kinder dabei eher auf dem Folgen und Verstehen der vielen Bewegungen gelenkt ist, anstatt auf dem sinnlichen Begreifen des Kinobildes, versteht sich von selbst und wie schon vermutet, schult Dreamworks damit gekonnt das Popcorn mampfende Publikum von morgen.

Trotzdem haben Joyces Geschichten und Ramseys Film im Kern das Potenzial gute Unterhaltung für Kinder zu liefern, was man besonders in der ersten Filmhälfte merkt. Die simple Konfliktlösung durch stylische Gewalt à la „Avengers“ schadet dagegen enorm. Kinderfilme sind natürlich immer pädagogische Maßnahmen. Das müssen sie sein. Wie wir alle wissen, sind Kinder nicht grundsätzlich gut, sondern eher egoistisch und es geht immer darum ihnen moralische Werte zu vermitteln. Doch man macht keine besseren Menschen aus ihnen indem man den schwarzen Mann vor ihren Augen abschlachtet, sondern indem sie lernen ihn zu verstehen.